Abnehmspritze & Muskelverlust: Warum Wegovy, Mounjaro & Co. ohne Krafttraining nur die halbe Miete sind

Markus Eichhorn • 24. Sept. 2026

9Min. Lesezeit

Abnehmspritzen wirken – aber ein großer Teil des verlorenen Gewichts kann Muskulatur sein. Was die Studien zeigen und wie Krafttraining und Protein deine Ergebnisse schützen.
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Frau trainiert an der Beinpresse im Fit-Inn Trier – Krafttraining schützt die Muskeln beim Abnehmen mit der Abnehmspritze

Inhaltsverzeichnis

Wegovy, Ozempic, Mounjaro: Kaum ein Gesundheitsthema wird gerade so heiß diskutiert wie die Abnehmspritze. Und ja, die Mittel wirken beeindruckend. Aber es gibt eine Seite, über die kaum jemand spricht: Wer mit der Spritze abnimmt, verliert nicht nur Fett. Ein spürbarer Teil des Gewichts kann Muskulatur sein. Genau die Muskulatur, die du brauchst, um dein neues Gewicht zu halten, gesund zu altern und im Alltag stark zu bleiben.

In diesem Artikel zeige ich dir, was die Studien dazu wirklich sagen, warum Krafttraining und Protein die entscheidenden Hebel sind und wie du dein Training während und nach der Therapie aufbaust.

Das Wichtigste in Kürze

  • GLP-1-Medikamente wie Semaglutid (Wegovy) oder Tirzepatid (Mounjaro) senken das Körpergewicht in Studien um rund 15 bis 21 Prozent.
  • Je nach Studie stammt etwa ein Viertel bis rund 40 Prozent des verlorenen Gewichts aus fettfreier Masse, also auch aus Muskulatur.
  • Nach dem Absetzen kommt ein Großteil des Gewichts oft zurück, und zwar meist als Fett.
  • Krafttraining plus ausreichend Protein ist laut Fachgesellschaften der wichtigste Schutz für deine Muskeln.

Was machen Wegovy, Mounjaro & Co. eigentlich?

Die Wirkstoffe ahmen das Darmhormon GLP-1 nach (Tirzepatid zusätzlich GIP). Sie verlangsamen die Magenentleerung, dämpfen den Appetit und machen schneller satt. Du isst also automatisch weniger. In der großen STEP-1-Studie verloren Teilnehmende mit Semaglutid im Schnitt 14,9 Prozent ihres Körpergewichts, in der SURMOUNT-1-Studie mit Tirzepatid in der höchsten Dosis sogar rund 21 Prozent. Das sind Werte, die man vorher fast nur von Magenoperationen kannte.

Das Problem dabei: Dein Körper unterscheidet bei einem großen Kaloriendefizit nicht sauber zwischen „Fett weg“ und „Muskel weg“. Wenn du ihm keinen Grund gibst, die Muskulatur zu behalten, baut er sie mit ab.

Das Problem: Du verlierst nicht nur Fett

Ein Übersichtsartikel in „Diabetes, Obesity and Metabolism“ (Neeland et al., 2024) hat die Körperzusammensetzungs-Daten der großen Studien ausgewertet. In einer Teilgruppe der STEP-1-Studie, die per DXA-Scan gemessen wurde, sank die fettfreie Masse um knapp 7 Kilogramm bei insgesamt rund 15 Kilogramm Gewichtsverlust. Über die Studien hinweg lag der Anteil der fettfreien Masse am Gewichtsverlust je nach Wirkstoff grob zwischen einem Viertel und rund 40 Prozent.

Illustration: Körperfett nimmt ab, während die Muskulatur durch Training erhalten bleibt

Fairerweise: Fettfreie Masse ist nicht gleich Muskulatur, dazu zählen auch Wasser und Organgewebe. Und weil prozentual noch mehr Fett verschwindet, verbessert sich das Verhältnis von Muskel zu Fett oft sogar. Die französische SEMALEAN-Studie zeigte zum Beispiel, dass sich die fettfreie Masse nach einem anfänglichen Rückgang stabilisierte und die Griffkraft stieg. Entwarnung ist das trotzdem nicht: Wer mit wenig Muskulatur startet, älter ist oder nicht trainiert, kann sich einen zusätzlichen Verlust schlicht nicht leisten.

Warum jedes Kilo Muskel zählt

Muskulatur ist kein Deko-Gewebe. Sie ist dein größtes Stoffwechselorgan, verbrennt auch in Ruhe Energie, nimmt Blutzucker auf und schüttet Botenstoffe aus, die dein Immunsystem und deinen Fettstoffwechsel steuern. Mehr dazu liest du in unseren Artikeln „Dein Muskel ist kein Schmuck. Er ist ein Organ.“ und „Myokine einfach erklärt“.

Weniger Muskeln bedeuten: ein niedrigerer Grundumsatz, schlechtere Blutzuckerkontrolle, weniger Kraft im Alltag und ein höheres Risiko für Stürze im Alter. Ab etwa 30 verlieren wir ohnehin jedes Jahrzehnt Muskelmasse, warum das so ist und was du dagegen tust, erklären wir in „Muskelaufbau im Alter“. Kommt dann noch ein schneller Gewichtsverlust ohne Training dazu, beschleunigst du diesen Prozess.

Die Jo-Jo-Falle nach dem Absetzen

Was passiert, wenn die Spritze wegfällt? Die Verlängerung der STEP-1-Studie liefert eine klare Antwort: Teilnehmende hatten nach 68 Wochen im Schnitt 17,3 Prozent abgenommen. Ein Jahr nach dem Absetzen waren davon 11,6 Prozentpunkte wieder drauf, also rund zwei Drittel. Auch Blutdruck, Blutzucker und Blutfette verschlechterten sich größtenteils wieder in Richtung Ausgangswert.

Das eigentlich Tückische: Zurück kommt vor allem Fett, nicht die verlorene Muskulatur. Im schlechtesten Fall hast du am Ende dasselbe Gewicht wie vorher, aber weniger Muskeln und mehr Fett. Genau deshalb ist die Frage nicht nur „Wie nehme ich ab?“, sondern „Was nehme ich ab?“

Die Waage allein zeigt dir das übrigens nicht. Warum du lieber Körperfett und Muskelmasse messen solltest, liest du in „Warum die Waage lügt“.

Spritze plus Training: Was die Forschung zeigt

Die spannendste Studie dazu kommt aus Kopenhagen und wurde im New England Journal of Medicine (Lundgren et al., 2021) veröffentlicht. 195 Menschen mit Adipositas nahmen zunächst mit einer Diät ab und bekamen dann ein Jahr lang entweder ein Trainingsprogramm, den GLP-1-Wirkstoff Liraglutid, beides kombiniert oder Placebo.

Das Ergebnis: Die Kombination aus Medikament und Training war am stärksten. Sie senkte den Körperfettanteil um 3,9 Prozentpunkte, etwa doppelt so viel wie Training oder Medikament allein.

Noch wichtiger ist die Nachbeobachtung ein Jahr nach Behandlungsende (eClinicalMedicine, 2024): Wer nur das Medikament bekommen hatte, nahm nach dem Absetzen deutlich mehr wieder zu als die Gruppen mit Training. Die Autor:innen folgern, dass begleitetes Training während der Therapie hilft, Gewicht und Körperzusammensetzung auch danach zu halten.

Die Spritze bringt dich in Bewegung. Das Training sorgt dafür, dass du dort bleibst, wo du hinwillst.

Protein: Dein zweiter großer Hebel

Weil die Spritze den Appetit auf alles bremst, kommt oft auch zu wenig Eiweiß auf den Teller. Vier US-Fachgesellschaften haben deshalb 2025 eine gemeinsame Ernährungsempfehlung zur GLP-1-Therapie veröffentlicht. Die Kernpunkte:

  • Proteinzufuhr eher im Bereich von 1,2 bis 1,6 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag statt der üblichen 0,8 Gramm.
  • Bei jeder Mahlzeit zuerst das Protein essen, damit es sicher drin ist, bevor die Sättigung einsetzt.
  • Protein allein reicht nicht: Regelmäßiges Kraft- und Widerstandstraining gehört fest dazu.

Wie viel Protein du konkret brauchst und wie du das trotz wenig Hunger schaffst, klären wir individuell in unserem Stoffwechsel-Coaching.

So sieht dein Trainingsplan während der Abnehmspritze aus

Du musst kein Leistungssportler werden. Entscheidend ist, dass deine Muskeln regelmäßig ein klares Signal bekommen: „Wir werden noch gebraucht.“ Bewährt hat sich:

  • 2–3 Krafteinheiten pro Woche: Ganzkörpertraining mit großen Muskelgruppen wie Beine, Rücken, Brust und Rumpf.
  • Progressive Belastung: Gewicht oder Wiederholungen langsam steigern, auch wenn die Waage sinkt.
  • Alltagsbewegung: Viele Schritte und etwas lockeres Ausdauertraining unterstützen Herz und Stoffwechsel.
  • Regeneration: Ausreichend Schlaf, denn Muskelaufbau passiert in der Erholung.
  • Messen statt raten: Alle paar Wochen Körperfett und Muskelmasse checken statt nur auf die Waage zu schauen.

Gerade am Anfang der Therapie fühlen sich viele schlapp oder haben mit Übelkeit zu kämpfen. Dann lieber kürzer und dafür regelmäßig trainieren. Warum Erholung dabei genauso wichtig ist wie das Training selbst, liest du in „Schlaf & Regeneration“.

So begleiten wir dich im Fit-Inn Trier

Du nimmst eine Abnehmspritze oder überlegst, damit zu starten? Dann holen wir das Maximum für deine Muskeln raus. Mit unserem Gesundheits-Check sehen wir, wo du bei Muskelmasse und Körperfett startest, und können den Verlauf regelmäßig verfolgen. Beim Training helfen dir unsere Biostrength-Geräte: Sie stellen Gewicht und Bewegungsumfang automatisch ein, sodass du auch als Einsteiger:in sicher und wirksam trainierst.

Trainer bespricht mit einem Mitglied die Körperanalyse im Fit-Inn Trier

Dazu kommen persönliche Betreuung und ein Plan, der zu deiner Tagesform passt. Starte am besten mit einem Probetraining im Fit-Inn Trier.

Häufige Fragen zur Abnehmspritze und Training (FAQ)

Verliere ich mit der Abnehmspritze Muskeln?

Ein Teil des verlorenen Gewichts ist fettfreie Masse, dazu zählt auch Muskulatur. Wie viel, hängt stark davon ab, ob du trainierst und genug Protein isst.

Darf ich mit Wegovy oder Mounjaro ins Fitnessstudio?

In aller Regel ja, Bewegung wird sogar ausdrücklich empfohlen. Sprich vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, besonders bei Vorerkrankungen, und passe die Intensität an dein Befinden an.

Wie oft sollte ich trainieren?

Zwei bis drei Krafteinheiten pro Woche sind ein guter Start. Wichtiger als die perfekte Einheit ist, dass du dranbleibst.

Nehme ich nach dem Absetzen automatisch wieder zu?

Das Risiko ist hoch, wenn sich an Ernährung und Bewegung nichts geändert hat. Studien zeigen aber, dass regelmäßiges Training hilft, Gewicht und Körperzusammensetzung besser zu halten.

Wie viel Protein brauche ich während der Abnehmspritze?

Als Orientierung gelten etwa 1,2 bis 1,6 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht am Tag, verteilt auf mehrere Mahlzeiten. Weil der Appetit durch die Spritze sinkt, lohnt es sich, bei jeder Mahlzeit zuerst das Eiweiß zu essen. Kläre die genaue Menge bei Vorerkrankungen der Niere mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

Reicht Ausdauertraining oder muss es Krafttraining sein?

Ausdauertraining ist gut für Herz und Kreislauf, schützt deine Muskulatur aber kaum. Den stärksten Reiz für den Muskelerhalt setzt Krafttraining. Ideal ist eine Kombination, mit Krafttraining als festem Kern.

Wie merke ich, ob ich Fett oder Muskeln verliere?

Die Waage zeigt das nicht. Aufschluss gibt eine Körperanalyse, die Fett- und Muskelmasse getrennt misst. Im Fit-Inn Trier machen wir das im Rahmen des Gesundheits-Checks und wiederholen die Messung regelmäßig, damit du deinen Verlauf siehst.

Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Abnehmspritzen sind verschreibungspflichtige Medikamente. Entscheidungen zur Therapie triffst du bitte gemeinsam mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Die Bilder in diesem Artikel wurden mit KI erstellt.

Quellen

  1. Wilding JPH et al. (2021): Once-Weekly Semaglutide in Adults with Overweight or Obesity (STEP 1). New England Journal of Medicine.
  2. Jastreboff AM et al. (2022): Tirzepatide Once Weekly for the Treatment of Obesity (SURMOUNT-1). New England Journal of Medicine.
  3. Neeland IJ et al. (2024): Changes in lean body mass with glucagon-like peptide-1-based therapies and mitigation strategies. Diabetes, Obesity and Metabolism.
  4. Alissou M et al. (2025): Impact of Semaglutide on fat mass, lean mass and muscle function in patients with obesity – The SEMALEAN study. Diabetes, Obesity and Metabolism.
  5. Wilding JPH et al. (2022): Weight regain and cardiometabolic effects after withdrawal of semaglutide – The STEP 1 trial extension. Diabetes, Obesity and Metabolism.
  6. Lundgren JR et al. (2021): Healthy Weight Loss Maintenance with Exercise, Liraglutide, or Both Combined. New England Journal of Medicine.
  7. Jensen SBK et al. (2024): Healthy weight loss maintenance with exercise, GLP-1 receptor agonist, or both combined followed by one year without treatment. eClinicalMedicine.
  8. Mozaffarian D et al. (2025): Nutritional priorities to support GLP-1 therapy for obesity – a joint Advisory (ACLM, ASN, OMA, TOS). American Journal of Clinical Nutrition.