Ja, Krafttraining kann in und nach den Wechseljahren helfen: Studien zeigen mehr Muskelkraft, und bei Frauen mit niedriger Knochenmasse verbesserte betreutes Training in einer Studie die Knochendichte. Gegen Hitzewallungen wird Bewegung nicht als Behandlung empfohlen. Wer Beschwerden oder Vorerkrankungen hat, klärt den Einstieg vorher mit der Ärztin oder dem Arzt ab.
Rund um die Wechseljahre kursieren viele Versprechen. Wir halten uns an das, was Studien tatsächlich zeigen – und sagen dir auch, wo die Datenlage dünn ist.
Das Wichtigste in Kürze
- Muskelkraft: Training verbessert die Kraft postmenopausaler Frauen. Das zeigt eine Auswertung von 129 Studien.
- Knochen: In einer Studie mit 101 Frauen mit niedriger Knochenmasse stieg die Knochendichte der Lendenwirbelsäule durch betreutes, schweres Krafttraining.
- Muskelmasse: Sie nimmt in den Wechseljahren im Schnitt etwas ab. Ob die Wechseljahre selbst die Ursache sind, ist nicht geklärt.
- Hitzewallungen: Bewegung gehört laut Fachgesellschaft NAMS nicht zu den empfohlenen Behandlungen dagegen.
- Empfehlung der WHO: Muskelkräftigung an mindestens zwei Tagen pro Woche, zusätzlich zu Ausdauerbewegung.
Was passiert mit den Muskeln in den Wechseljahren?
Mit dem Alter verlieren wir Muskelmasse – bei Frauen scheint sich dieser Prozess rund um die Menopause zu beschleunigen. Ein Übersichtsartikel von 2026 beschreibt, dass Frauen in der Perimenopause im Schnitt etwa 2,5 Prozent und nach der Menopause etwa 5,7 Prozent weniger Muskel- bzw. Magermasse haben als Frauen vor den Wechseljahren (Quelle 4). Das sind Durchschnittswerte aus Querschnittsstudien.
Die Autorinnen und Autoren betonen aber auch: Hochwertige Belege dafür, dass die Hormonumstellung selbst der Auslöser ist, fehlen. Alter, weniger Bewegung und mehr Körperfett lassen sich schwer davon trennen. Mehr zum altersbedingten Muskelabbau liest du in unserem Artikel zur Sarkopenie.
Was Krafttraining nachweislich bringt
Mehr Muskelkraft
Eine Meta-Analyse von 129 randomisierten Studien mit 7.141 Frauen nach den Wechseljahren kam zu dem Ergebnis, dass Training die Kraft von Beinen und Armen deutlich verbessert. Die Kraft der Arme steigerte dabei nur Krafttraining (Quelle 2). Die Autoren weisen auf Einschränkungen hin: Die Studien waren sehr unterschiedlich, und es gibt Hinweise auf Verzerrungen bei der Veröffentlichung. Die Richtung ist klar, die genaue Größe des Effekts ist es nicht.
Stärkere Knochen – unter bestimmten Bedingungen
Die LIFTMOR-Studie untersuchte 101 Frauen nach den Wechseljahren mit niedriger Knochenmasse. Acht Monate lang trainierte eine Gruppe zweimal pro Woche 30 Minuten betreut mit hohen Gewichten, die Kontrollgruppe machte ein leichtes Heimprogramm. Ergebnis: Die Knochendichte der Lendenwirbelsäule stieg in der Trainingsgruppe um 2,9 Prozent und sank in der Kontrollgruppe um 1,2 Prozent. Am Schenkelhals gab es einen ähnlichen Unterschied. Es wurde nur ein kleines Problem gemeldet, ein Rückenkrampf (Quelle 3).
Wichtig zur Einordnung: Das Training war speziell angeleitet und beaufsichtigt, die Studie war klein und kurz. Das kannst du nicht einfach allein nachmachen. Wenn du Osteopenie oder Osteoporose hast, sprich den Einstieg vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt ab. Mehr zum Thema: Osteoporose – so stärkst du deine Knochen.
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Muskelmasse: Zuwachs ist möglich, die Datenlage gemischt
Auch nach den Wechseljahren bauen Frauen mit Krafttraining Muskelmasse auf, laut dem Übersichtsartikel von 2026 allerdings teils weniger als gleichaltrige Männer. Ob die Wechseljahre die Trainingsantwort zusätzlich bremsen, ist unklar: Einzelne Studien finden Hinweise darauf, andere nicht (Quelle 4). Unser Artikel Muskelaufbau im Alter geht darauf ein, wie Training in jedem Alter wirkt.
Was nicht belegt ist
Hitzewallungen und Schweißausbrüche: Die North American Menopause Society (NAMS) hat 2023 die Datenlage zu Behandlungen ohne Hormone bewertet. Bewegung gehört dort zu den Maßnahmen, die gegen Hitzewallungen nicht empfohlen werden (Quelle 5). Das heißt nicht, dass Bewegung schadet – sie ist für die Gesundheit insgesamt wichtig. Es heißt nur, dass die Fachgesellschaft sie nicht als Behandlung gegen diese Beschwerden empfiehlt.
Bauchfett, Stoffwechsel, Gewicht: Dazu haben wir für diesen Artikel keine belastbare Studie ausgewertet. Deshalb machen wir hier keine Versprechen. Gegen belastende Beschwerden in den Wechseljahren helfen vor allem ärztliche Beratung und individuelle Lösungen, bis hin zur Frage, ob eine Hormontherapie passt – diese Entscheidung gehört in die Hände deiner Frauenärztin oder deines Frauenarztes.
So startest du sicher
- Ziel der WHO: Muskelkräftigende Aktivität auf mindestens moderatem Niveau an zwei oder mehr Tagen pro Woche, alle großen Muskelgruppen einbeziehen (Quelle 1). Wie du das auf die Woche verteilst, erklärt unser Artikel Wie oft pro Woche Krafttraining?
- Ausdauer ergänzen: Die WHO empfiehlt zusätzlich 150 bis 300 Minuten moderate Ausdauerbewegung pro Woche. Auch zügiges Spazierengehen zählt.
- Technik vor Gewicht: Starte mit leichten Gewichten, lass dir die Übungen zeigen und steigere dich langsam.
- Erholung einplanen: Schlaf und Pausen gehören zum Training. Siehe Schlaf und Regeneration.
- Ärztlich abklären: Bei Beschwerden, Vorerkrankungen, Medikamenten oder Osteoporose vorher mit der Ärztin oder dem Arzt sprechen.
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Häufige Fragen (FAQ)
Ab wann sollte ich mit Krafttraining anfangen?
Ein Einstieg ist in jeder Phase möglich. Auch Frauen nach den Wechseljahren verbessern ihre Kraft durch Training deutlich (Quelle 2). Starte langsam und lass dir die Übungen zeigen.
Wie oft pro Woche sollte ich Krafttraining machen?
Die WHO empfiehlt muskelkräftigende Aktivität an mindestens zwei Tagen pro Woche. Zwischen zwei intensiven Einheiten für dieselbe Muskelgruppe brauchst du Erholung.
Hilft Krafttraining gegen Hitzewallungen?
Dafür gibt es keine Empfehlung: Die NAMS führt Bewegung 2023 nicht unter den empfohlenen Maßnahmen gegen Hitzewallungen. Bei starken Beschwerden berät dich deine Frauenärztin oder dein Frauenarzt.
Darf ich mit Osteoporose Krafttraining machen?
Das hängt von deinem Befund ab. In der LIFTMOR-Studie trainierten Frauen mit niedriger Knochenmasse unter Aufsicht mit einem speziellen Programm. Sprich vor dem Start mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Hilft Krafttraining gegen Bauchfett in den Wechseljahren?
Dazu haben wir keine belastbare Studie ausgewertet und möchten nichts versprechen. Krafttraining erhält und fördert Muskeln und Kraft – für das Gewicht spielen zusätzlich Ernährung, Schlaf und Alltagsbewegung eine Rolle.
Muss ich vor dem Start zum Arzt?
Eine Pflicht gibt es nicht, aber bei Beschwerden, Vorerkrankungen oder langer Trainingspause ist ein Gespräch sinnvoll. Wir trainieren dich gern mit, ersetzen aber keine medizinische Untersuchung.
Fazit
Krafttraining kann in und nach den Wechseljahren helfen – für Muskelkraft ist das gut belegt, für die Knochen unter bestimmten Bedingungen. Gegen Hitzewallungen solltest du dir keine Wunder versprechen. Fang in deinem Tempo an, hol dir bei Bedarf ärztlichen Rat und lass dich beim Einstieg begleiten. Hier geht es zum Probetraining.
Quellen
- Bull, F. C. et al. (2020): World Health Organization 2020 guidelines on physical activity and sedentary behaviour. British Journal of Sports Medicine, 54(24), 1451–1462.
- Khalafi, M. et al. (2023): Influence of exercise type and duration on cardiorespiratory fitness and muscular strength in post-menopausal women: a systematic review and meta-analysis. Frontiers in Cardiovascular Medicine, 10.
- Watson, S. L. et al. (2018): High-Intensity Resistance and Impact Training Improves Bone Mineral Density and Physical Function in Postmenopausal Women With Osteopenia and Osteoporosis: The LIFTMOR Randomized Controlled Trial. Journal of Bone and Mineral Research, 33(2), 211–220.
- Menzies, C. et al. (2026): Menopause, Female Sex Hormones, Skeletal Muscle Mass and Muscle Protein Turnover in Humans. Journal of Cachexia, Sarcopenia and Muscle, 17(1), e70232.
- The North American Menopause Society (2023): The 2023 Nonhormone Therapy Position Statement – Pressemitteilung. Menopause.
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Beschwerden oder Vorerkrankungen sprich bitte mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.



